Hannover 96, Schmadtke und die Presse

Im Moment geht es hoch her beim zweimaligen Europaleague Teilnehmer Hannover 96. Die Form stimmt nicht, das Krankenlager wird von vielen Leistungsträgern bevölkert und in der Vereinsführung gibt es Uneinigkeit darüber, ob Sportdirektor Jörg Schmadtke demnächst die Flatter macht.

Jörg Schmadtke machte 2012 von sich reden, als er als erster Sport-Manager überhaupt eine „Auszeit“ von einem Club bekam und seine Arbeit praktisch für einige Monate hin legte. Das war ein Novum. Der Grund waren familiäre Probleme, besonders Zeitprobleme. Denn seine Familie lebte damals in Düsseldorf, während er ständig in Hannover weilte.
Die Clubführung gab ihm die Auszeit, war behilflich bei der Wohnungsuche in Hannover und gab ihm obendrein noch einen unbefristeten Vertrag. Mehr kann man nicht erwarten, sollte man denken …

Aber es kommt alles anders. 


  • Die Presse zerreisst sich das Maul, weil Schmadtke nicht zum Training erscheint (muss er das?).
  • Die Presse zerreisst sich das Maul, weil der Trainer Mirko Slomka und der Sport-Manager per eMail kommunizieren (was ist daran verwerflich?).
  • Die Presse zerreisst sich das Maul, weil Schmadtke keine Interviews mehr geben will („Er will nicht mit uns sprechen, deshalb sprechen wir jetzt über ihn“, NDR Sportclub).
  • Die Presse mobbt Schmadtke weg („Ist er nächste Woche schon weg?“, HAZ, Bild usw.)
Club-Chef Martin Kind tut sein übriges, um die Presse immer schön am kochen zu halten mit z.B. solchen Aussagen nach der Frage über den vermeintlichen Abgang von Schmadtke:

Wenn dieser Wunsch konkret geäußert wird und eine Basis nicht vorhanden ist, dann wird man sicher offen und ehrlich über alles reden müssen.

Feuer unterm Dach?

Und auch obwohl Kind beteuert, daß das Team Slomka/Schmadtke toll funktioniert, glaubt niemand an den Verbleib von Schmadtke.
Das sogar die interne Kommunikation gestört ist, belegt das Zitat von Schmadtke:

„Das ist nicht der richtige Zeitpunkt. Solche Dinge sollten zuerst hausintern besprochen werden.“

Warum sollten? Das Thema sollte in der Tat schon lange erledigt sein und der Presse damit der Sauerstoff für weiter abenteuerliche Brandherde genommen werden. Aber wenn intern nichts geklärt ist, kann sich extern schön weiter die Regenbogen-Presse Brandbomben aus den Fingern saugen.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch keine Lust in einem Laden zu arbeiten, wo man nicht geschützt wird vor Presse-Heinis und wo man nicht im Vertrauen mit dem Chef reden kann, ohne das der beim nächsten offenen Mikro gleich wieder alles ausplappert. Das ist aber auch die einzige Schwäche, die man Club-Chef Martin Kind anrechnen kann. Er hat es hinter den Kulissen geschafft, einen zerütteten Club durch seine Übernahme zu neuem Glanz zu führen. Namhafte Sponsoren, Stadion-Umbau, Internationales Geschäft. Wer hätte das besser machen sollen?

Für das grinsende Allerwelts-Geplapper ist jemand anderer jederzeit Medien-Präsent: Mirko Slomka. Dauergrinsend erklären, das alles ganz toll läuft und leider die Mannschaft zu dusselig ist, seine taktischen Vorgaben umzusetzen. Auch die Frage, warum Hiroki Sakai in Freiburg nicht gespielt hat, obwohl er doch vorher sogar „TUI Man of the Match“ wurde, wird stillschweigend fort gegrinst (Zugegeben, diese Frage hat ihm öffentlich niemand gestellt, aber Tausende von Fans fragen das. Die Reaktion wäre aber wohl die gleiche).
Andererseits hat Slomka den Verein vor dem Abstieg bewahrt und ihn danach 2x in Folge europäisch spielen lassen. Ein bisschen Dankbarkeit muss man dem ja auch zollen. Wenn man aber diesen Artikel liest (ja, der ist alt, hat aber aktuellen Context), sollte man sich dann langsam Sorgen um die nächste Saison machen. Erst Platz 4, dann Platz 7, jetzt Platz 10. Beständige Kurve. Runter.
Aber beim Slomka ist der Himmel immer rosarot, bis man merkt, das es eigentlich Feuer am Horizont ist und kein kuscheliger Sonnenaufgang [Hier bitte beliebig langes Grinsen einfügen].
Tatsächlich aber hat diesmal seine tolle Eisenbahnschienen-Flexibilität bei der Aufstellung der letzten Dümpel-Spiele rein gar nichts mit der Schmadtke/Kind Posse zu tun. Sorry Regenbogen-Presse, das ist ein ganz anderes Thema …

Löschoptionen?

Fakt ist, das Schmadtke zu keiner Zeit gesagt hat, das er Hannover 96 verlassen will. Sollte er jetzt gehen, hat man das der Presse und dem unsensiblem Club-Chef zu verdanken, der sich nicht schützend vor die Hyänen schmeisst.
Fakt ist allerdings auch, das es kein klares Bekenntnis zu Hannover 96 seitens Schmadtke gibt. Da wird immer nur auf seinen unbefristeten Vertrag hingewiesen. Das ist am Ende aber keine „Pro Hannover“ Aussage, sondern nichts weiter als eine geschäftliche Vereinbarung …

Ich bin mir absolut sicher, das Jörg Schmadtke ein Vollprofi ist, wenn es um seinen Job geht und deswegen einfach mal die Klappe hält, um die Presse nicht weiter zu befeuern. Die finden allerdings auch an „Kein Kommentar“ noch Platz zwischen den Zeilen, um das anders zu interpretieren [An dieser Stelle würde ich gerne Mario Barth zitieren, ab das gibt ’ne Abmahnung. Ihr wisst schon „Fresse halten…“ und so].

Wenn Schmadtke wert auf sein eigenes Seelenheil legt, sollte er den Club verlassen, damit wieder Ruhe einkehrt und sogar dann würde er noch im Interesse des Clubs handeln, wie er es immer getan hat …

Update 17.04.2013, 13:00 Uhr: Jörg Schmadtke erschein mit seinem Anwalt Uwe Ilgenfritz-Donné zum Gespräch bei Martin Kind in Großburgwedel. Tendenz: Sofortige Vertragsauflösung
Update 17.04.2013, 14:00 Uhr: Vertragsauflösung zum 30.06.2013, Schmadtke ab Samstag, 21.04.2013 freigestellt!

Slomka könnte dann wieder ohne Rücksicht seine „Lieblinge“ auf den Platz schicken und müsste sich dann vielleicht nicht rechtfertigen, das er das „teure Material“ in Form von Nationspielern anderer Länder auf der Bank verbrennt.

Wasser Marsch.

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